Volksbank: Nostalgie oder schlechtes Gewissen?

In jedem Fall traut man seinen Augen nicht. Ist das nicht die alte Volksbank-Ecke am Karlsruher Marktplatz, mit der da geworben wird? Als wĂ€re nichts gewesen. Doch, doch, es ist der nach seinem Architekten nur noch so genannte Schelling-Bau, den die Volksbank verkauft hat, damit ihn ein neuer Investor abreißen kann. Und der seitdem schlechtgeredet und -geschrieben wird.

Nun aber, noch bevor er verschwindet, um einem Weinbrenner-Dummy Platz zu machen, wird er hier zum Kultobjekt erhoben, zum Markstein der eigenen Geschichte, die man an diesem Ort aus freien StĂŒcken zurĂŒckgelassen hat. Daß er noch immer ikonenhaft die Internetseite der Volksbank ziert, versteht sich dann schon fast von selbst. Vielleicht entlarvt dies ja nur eine gesamtgesellschaftliche Schizophrenie: Die Nostalgie ereilt uns nun schon vor dem eigentlichen Verlust! Ein gutes Zeugnis stellt dies auch der Werbeagentur nicht aus: Denn “sicher ankommen”, wie der Slogan verspricht, wĂŒrde man mit der Volksbank demnach vielleicht in der Geschichte; die eigene Gegenwart und Zukunft, welche doch, wie wir alle wissen, bereits andernorts im Bau sind, werden ausgeblendet. Als fĂŒhle man sich damit selbst unbehaglich.

Warum diese Ahnung nicht aus der Luft gegriffen ist, könnte ein Seitenblick hinĂŒber zum Mendelssohnplatz klĂ€ren, wo der Neubau der Volksbank Gestalt annimmt: Ein Architektur gewordener TrĂŒmmerhaufen aus stĂŒrzenden Linien und schrĂ€gen Ebenen taugt offensichtlich nur ungenĂŒgend, um fĂŒr vertrauensbildende StabilitĂ€t ĂŒberzeugend zu werben. Doch hierzu demnĂ€chst mehr.

Marktplatz beschrÀnkt mobil

Seit Wochen Ă€ndert sich am Karlsruher Marktplatz die Stimmlage. Gleich in welcher Bahn und von welcher Himmelsrichtung man sich ihm nĂ€hert: Kaum ist man ans Aussteigen erinnert worden, wĂŒnscht ein zweites FrĂ€ulein vom Amt, man möge seinen Sitzplatz bitte an einen „mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkten Fahrgast” abtreten. Draußen muß dieser schon stehen. Leider sagt sie nie, woran ich ihn erkenne.

ZunĂ€chst noch leuchtete ein: Es wird sich wohl um die Opfer der Bauarbeiten in der Kaiserstraße handeln; die MobilitĂ€t schrĂ€nkten sie in der Tat ein, wenn auch nur von hier aus nach Westen. Nun sind sie lĂ€ngst vorĂŒber, und noch immer nervt uns gebetsmĂŒhlenhaft dieselbe Ansage, in ihrem unnatĂŒrlichen Ton und ihrer surrealistischen WillkĂŒr.

Wenn mit „mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkt“ alle gemeint sind, die kein Auto besitzen, vielleicht nicht einmal ein Fahrrad, oder es zuhause gelassen haben, dann sind sie doch lĂ€ngst schon eingestiegen, gewiß nicht erst am Marktplatz. Sollten eventuell Behinderte gemeint sind, dann wĂŒrden wir doch auch an den anderen Haltestellen unseren Platz rĂ€umen und schon gar keinen eigens reservierten Platz besetzen, oder? Wollte aber mit dieser Wortschöpfung nur irgendjemand seine professionelle Daseinsberechtigung beweisen, dann setzte ich mich fĂŒr eine Gehaltserhöhung ein, und dies einfach so und mit der einzigen Auflage, doch bitte in Zukunft keine Spuren in unsere ohnehin schon gestresste Seele zu graben.

Teure Amputation:
St. Stephans Leiden geht weiter

Wenn historische Bauten von Weltrang ohne Not verĂ€ndert werden, dann steht vielleicht doch eine solche dahinter. Und die Not muß sogar groß sein, wenn der Gemeinderat der katholischen Stadtkirche St. Stephan fĂŒr deren „Innenrenovation“ eine Lösung „favorisiert“, die mindestens zwei Millionen kosten wird, die verlorenen Investitionen der vergangenen Jahre und die ĂŒblichen Überschreitungen nicht eingerechnet. Weinbrenner und sein Werk mĂŒssen fĂŒr einen GlĂ€ubigenschwund bĂŒĂŸen, den man am geringsten ihnen anlasten kann. Eine intimere, „neue Gemeinschaft” soll sich hier finden. Den ganzen Beitrag lesen…


 na also – geht doch!

Es ist doch möglich, sich von eingeĂŒbten und in der veröffentlichten Meinung festgetretenen Pfaden zu lösen und neue Denkgefilde zu betreten.

So jetzt geschehen in der Karlsruher CDU-Fraktion, die sich in Sachen KSC-Stadion mit einer Hauruck-Entscheidung vom bislang mitgetragenen Kurs des OB abgesetzt hat. Nun also doch kein „StĂŒckwerk im Wildpark”? Was braucht es, um sich so freizuschwimmen? Den ganzen Beitrag lesen…

Marktplatz Nordseite …
… diese Woche noch

liegt er aus, der Bebauungsplan fĂŒr die Nordseite des Marktplatzes. “WĂ€hrend der Dienststunden” kann er im Stadtplanungsamt in der Lammstraße 7, 1. OG, Zimmer D 114, eingesehen werden. Innerhalb derselben Frist kann auch noch Widerspruch eingelegt werden, wozu hiermit ausdrĂŒcklich ermuntert wird. Die Adresse dafĂŒr ist: Stadt Karlsruhe - Zentraler Juristischer Dienst -, Rathaus am Marktplatz (Zimmer A 223), 76124 Karlsruhe. Man kann seine Bedenken auch gleich vor Ort zur Niederschrift mĂŒndlich vorbringen. Argumente gibt es viele. Das wohl schwerwiegendste ist die Zerstörung des weltberĂŒhmten Ensembles durch Dimensionen, welche die Proportionen und Hierarchien auf den Kopf stellen. Auf Wunsch auch gerne mehr Argumente. Siehe auch den Beitrag “Zur Lage am Marktplatz” weiter unten. Offizielle Informationen finden sich auf der Webseite der Stadt.

Vorsicht, echt! …
… eine Weinbrenner-Ausstellung

WĂ€hrend derzeit am Karlsruher Marktplatz mehr oder weniger eifrig an einer Weinbrenner-Kopie gebastelt wird, die wie ein geklontes Riesenbaby das weltberĂŒhmte Ensemble aus den Fugen geraten und so richtig alt aussehen lassen wird, gibt es ab kommendem Montag, den 7. April, endlich wieder einmal ein Panorama echter Weinbrenner zu sehen. Um 18 Uhr wird im Karlsruher Prinz-Max-Palais die Ausstellung „Friedrich Weinbrenners Weg nach Rom“ eröffnet. Wenigstens das Museum fĂŒr Literatur im Oberrhein hat daran gedacht, daß das Motto “Rom” der EuropĂ€ischen Kulturtage dazu einlĂ€dt, die Wurzeln der klassischen Bautradition Karlsruhes im Italienbild Weinbrenners aufzudecken. Weinbrenner-Originale kann man in Karlsruhe fast nur noch in Archiven sehen – oder eben in Ausstellungen. Und diese ist die erste seit 20 (!) Jahren.
Es werden Exponate aus bedeutenden Sammlungen zu sehen sein, darunter auch einige jener spektakulĂ€ren Perspektiven, fĂŒr die er schon zu Lebzeiten berĂŒhmt war. Es lassen sich Weinbrenners Reisebegleiter und KĂŒnstlerfreunde kennenlernen, und man kann ihm selbst beim Skizzieren seiner EindrĂŒcke und EntwĂŒrfe ĂŒber die Schulter schauen. Mehr wird noch nicht verraten. Die Schau lĂ€uft bis zum 1. Juni. Karlstraße 10, direkt vor der MĂŒnze.

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